Der Disco-Knigge Teil 1




Über das Benehmen in der Disco scheiden sich die Geister. Soll ich die vollbusige Blondine an der Theke anbaggern? Wenn ja, wie? Ein Bier ausgeben? Oder sie doch zu einer flotten Sohle aufs Tanzparkett begleiten? Wie viel Alkohol ist gut genug für sie? Und wie mache ich mir den coolsten Tyen im Club klar? Damit Ihr in diesen besinnlichen Tagen mit der Discokugel um die Wette glänzt, haben wir uns etwas Hilfe von außerhalb geholt: den Disco Knigge.

Verfasst wurde dieses kleine Benimm-Einmaleins bei Schwarzlicht und Stroboskop von unserer Stuttgarter Schreiberkollegin Eva Reitebach, die den affengeilen Blog monkeytalk betreibt. Und wie Ihr wisst: Disco will never die!

Disco Knigge Party 1

Eines Nachts, im Club. Mein entspanntes Feierabend-Ich steht locker aus der Hüfte wippend im Kreis einiger Freunde. Genau in demselben Moment als sich fünf Tage Arbeiten und 48 angehende Schlamperstunden in eine Nullbalance begeben, rempelt mich von hinten ein menschlicher Tsunami an. Dem Zusammenstoß zweier Kontinentalpatten gleich, pflanzt sich die Aufprallkraft fort und platziert mein Getränk diffus aber effektiv auf meinem schlau gewählten, weißen Outfit. Kurzum, ich nehme unfreiwillig an einem Wet-T-Shirt-Contest teil.

Wutentbrannt drehe ich mich um, bereit, dem sicherlich maximal 19 Jahre alten Übeltäter postwendend den Rest meines Drinks ins Gesicht zu schütten (Wasserkreislauf, hatten wir ja schon in der Grundschule). Doch statt Justin Bieber schaut mir Robert Redford frech grinsend in die Augen. Seit diesem Moment weiß ich, warum der Kiefer so fest am Kopf verankert ist. Andernfalls wäre der meinige nämlich sofort und unwiederbringlich auf den Boden geknallt.

Ebenda kam mir schlagartig die Erkenntnis, dass Freiherr Knigge eines nicht bedacht hatte: Alkohol und geschlossene Räume sind die Nemesis des guten Benehmens.
Scheinbar hilft Alter und Weisheit dem Gentleman nichts, wenn er Partyland betritt. Ich habe gar die Vermutung, dass ein breitschultriger Türsteher den Manieren den Eingang verwehrt: „Du kommst hier net rein!“

Eins ist klar: Es muss Etiquette her, in den verrauchten Hallen des Feiertums!

Drum, hier ein paar Grundregeln. Ergänzungen sind stets willkommen.

1. Nein, man geht nicht durch Gruppen. Der freie Platz in der Mitte mag zwar verlockend erscheinen, aber nein, nein und nochmals nein – das ist und bleibt unhöflich! Ich werde meinen Feldzug gegen Gruppensabotage in Stuttgarts Clubs auch weiterhin fortsetzen. Und lasse mich auch nicht mit so windigen Argumenten abspeisen, wie: „Ist doch nur einmal.“
Schon mal was von Ameisenstraßen gehört? Da rennen auch alle hinterher.

2. „Wissu wassu trink?“ und dann ein genuscheltes Lachen ist keine vollwertige Ansprache. Nein, noch nicht mal eine halbe Anmache. Setzen, austrinken und erst morgen wieder reden.

3. Scheinbar herrscht Damenwahl in Deutschlands Diskotheken. Verschämt wie jungfräuliche Quäkerinnen drängen sich die ansehnlichen Exemplare der männlichen Gattung in einer muffigen Ecke und tuscheln. Ansprechen geht scheinbar nur zu dritt oder betrunken. Doch Deutschlands Damen wollen weder Ringelreihen tanzen noch von einer Fahne erschlagen werden.

4. Hinterher pfeifen geht gar nicht. Ja, bin ich denn ein Hund? Das Sahnehäubchen auf dem Misthaufen ist das Pfeifen im Rudel, da wechselt die Hundetheorie rasch die Seiten.

Also, liebe Testosteron-Protagonisten, lasst Euch gesagt sein: Manieren kann man sich nicht schön trinken. An schlechtes Benehmen erinnert sich das weibliche Gehirn unweigerlich. Vermutlich sind die entsprechenden Synapsen alkoholresistent.

Aber eigentlich könnt ihr es ja ganz ausgezeichnet, wen ihr wollt.

Mehr geistige Ergüsse von Eva gibt es unter: monkeyeve.de


ruhrclubbing

Bei Fragen, Anregungen und Wünschen, einfach melden :-) Groovige Grüße!



Schon gewusst?

2 Responses

  1. 24. Dezember 2010

    […] Nun hat der Disco-Knigge auch den Ruhrpott erreicht. Viel Spaß beim Wiederlesen.. […]

  2. 28. Dezember 2010

    […] wir Euch pünktlich zu Weihnachten den ersten Teil des kleinen Benimm-Einmaleins bei Schwarzlicht und Stroboskop von unserer Stuttgarter […]

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