Facettenreich Feiern im Ruhrgebiet – Eine Metropole, viele Clubkulturen!




Die elektronische Partyszene der Metropole Ruhr hat sich mit den Jahren stetig weiterentwickelt. Natürlich gibt es ferner technoide Partyhochburgen wie Berlin oder Frankfurt, doch die Ruhrgebietsstädte beweisen seit einigen Jahren im elektronisch-musikalischen Kräftemessen durchaus Stärke und Ausdauer.

Ist die Szene im Ruhrgebiet doch vergleichsweise groß, ja mittlerweile unbedingt mit anderen elektronischen Vorzeigestädten in einem Satz zu nennen. Das Besondere: die verschiedenen Ruhrstädte und ihre elektronische Musik- und Clubkultur brillieren an Facettenreichtum, wie man es sonst kaum woanders findet.

Versteckte Partyszene Bochums

Bochum kann beispielsweise auf eine lange elektronische Partykultur zurückblicken, was viele vielleicht noch gar nicht wussten. Ist die elektronische Szene doch eher unbekannt, die Termine schlecht zu finden. Die Partys lebten damals von guter Mundpropaganda, wie der Tanzpalast im TUT (Schauspielhaus) oder der Lumen Club, wo schließlich im Jahr 2003 das 18Karat, vier Jahre später das Casa Electronica ihr Glück versuchten. Auch gab es immer mal wieder illegale Openairs, eines der bekanntesten fand einst zeitgleich zum Kemnader See in Flammen unter der Ruhrbrücke statt und bekam natürlich nicht selten unerwünschten Besuch von der Polizei. Heute vereinfachen Netzwerke wie Facebook das Finden eben dieser Events. Der Bochumer Funkloch-Veranstalter Guy Dermosessian blickt gerne vor, aber auch zurück: „Als ich in 2007 nach Bochum kam gab es schon feste Institutionen wie den Tanzpalast, oder die Tunes und die Bassfalter-Geschichten. Diese Partyszene besteht weiterhin und wächst von Jahr zu Jahr.“

Auf die Frage, ob es auch negative Entwicklungen gegeben hätte, stellt Guy fest, dass manche Veranstalter weniger auf die Musik wertlegen als auf das ganze Drumherum. „Am nächsten Tag redet man auch nicht von dem großartigen musikalischen Ereignis, sondern eher über die Getränkepreise, die Security, die Gestaltung.“ Dazu sei bemerkt, dass die Bochumer Szene eben nicht nur aus solchen besteht, die ihr Herz der elektronischer Tanzmusik geschenkt haben, eher sind es Leute, die einfach dort hingehen, wo gerade etwas los und eine nette Atmosphäre garantiert ist. Hier steht oft der Spaß im Vordergrund, nicht die Musik.

Fest etablierte Feierszene in Essen

In Essen ist das anders. Dort hat sich seit Jahren eine feste Club- und Musikszene etabliert. Das Hotel Shanghai als das Cluburgestein schlechthin hat definitiv ein Stück Essener Clubgeschichte mitgeschrieben. Aber auch relativ neue Institutionen wie der GoetheBunker, der Gold Club oder das HinterHaus beweisen, dass die Essener Clubszene lebendiger ist denn je. Auch wenn das Mikatronic aus noch ungeklärten Gründen seine Pforten nach nur kurzer Zeit wieder schließen musste. Die elektronische Musikszene in Essen lebt! Auch der Essener DJ und Veranstalter Sven Kaufmann, der seit einigen Jahren in regelmäßigen Abständen seine Anhänger Alle in den Bunker ruft, sieht das derzeitige Potential in der Kulturhauptstadt 2010: „Hierbei ist das Shanghai als Mutterschiff zu betrachten, dass aber leider meiner Meinung nach die besten Jahre hinter sich hat und nur noch von alteingesessenen Fans genutzt wird. Der GoetheBUNKER sowie der Goldclub liegen derzeit im Focus und die Ausgehentscheidung der Besucher fällt meist zwischen beiden Läden, wenn die Besucher am selben Abend nicht sogar beide Optionen nutzen.“ Zudem richte sich das Ausgehverhalten der Clubber nicht mehr ausschließlich nach den Bookings, das Vertrauen zu den einzelnen Partyformaten sowie natürlich das Treffen vieler bekannter Gesichter sei das, wonach man sich heutzutage orientiere.

Stehaufmännchen der Dortmunder Clubszene

Im östlichen Ruhrgebiet gelegen befindet sich die Dortmunder Clubszene, die sich abermals von den beiden Geschwisterstädten unterscheidet. Clubbesitzer Jens Rompusch weiß wovon er spricht. Führt er doch zusammen mit seinem Freund Martin zurzeit das Royal Bambi, in dessen Räumlichkeiten bis vor fast zwei Jahren noch das VRSTK Zuhause war. „Dortmund ist nicht mit Frankfurt zu vergleichen. Die Leute gehen nur ein- bis zweimal im Monat raus oder suchen Großevents wie vergangenen Samstag (Elektronische Klubnacht, Anm.d.R.). Wir müssen um jeden einzelnen Gast kämpfen, aber stellen mit Freude fest, dass unsere harte Arbeit belohnt wird und unsere Gästezahlen stetig steigen.“ Als sich vor einem Jahr in Dortmund das große Clubsterben breitmachte, dachte wohl kaum einer, dass sich die Ruhrmetropole so schnell wieder bekrabbeln würde. Das Thiergelände, das VRSTK, die Live Station, sie alle mussten gehen. Doch wo das eine Auge noch still und heimlich weint, fängt das andere schon wieder an zu lachen. Altes geht, Neues kommt. Auch liegt Dortmund kurioserweise, trotz der Sperrstunde zwischen 5 und 6 Uhr, in punkto Afterhour weit vorne. Da gibt es zum Beispiel den Absolut Club, den X-Club oder das Le Grand.


Duisburg, der elektronische Partynachzügler

Ganz anders sieht es beispielsweise in Duisburg aus. Dabei sei angemerkt: Die Loveparade-Tragödie hat damit nichts zu tun. Eine der wenigen elektronischen Partyreihen, die sich seit einigen Jahren fest in die Ruhrszene etablieren und bereits einige sehr erfolgreiche Auswärtsspiele in den Nachbarstädten verbuchen konnte, ist die Einklang-Reihe der Hafenamt-Crew. Einer der Macher und selbst DJ, Dustin Gray, weiß wie schwer die elektronische Partyszene in Duisburg sein kann: „Ich denke, dass Duisburg generell ein schwieriger Standort für Partys mit elektronischer Musik ist, geschweige denn von nicht kommerziellen Partys. Selbst Open Airs wie die Heile Welt im Rheinpark, wo das Booking für Duisburger Verhältnisse gut war, konnten nicht immer punkten.“

Echte Kumpels der Nacht

In einem sind sich schließlich doch alle einig: Sowohl Clubbesitzer wie auch Veranstalter müssen an einem Strang ziehen, nur so kann sich die hiesige Szene weiterentwickeln. „Ohne ein Miteinander ist die Clubarbeit nicht möglich. Einzelkämpfer sind hier nicht erwünscht“, meint Jens. Und auch Sven freut sich über den Zusammenhalt im subkulturellen Bereich: „Nehmen wir beispielsweise die Jungs von der Audiophil in der Bochumer Evebar oder reisende Partys wie die Nice to meet you! Die Veranstalter tauschen sich aus, es gibt Kooperationsbereitschaft in vielen Bereichen und wenn dem einen Club das Eis ausgeht, ruft man beim nächsten Club an und holt sich einen Eimer ab.“

Selbst wenn es mal kleine Zankereien zwischen den einzelnen Veranstaltern gibt, sollte man den Spirit des Ruhrgebiets doch nie vergessen. Denn am Ende jeder Nacht sind wir doch alle schließlich wieder dicke Kumpels mit ein und derselben Leidenschaft: die elektronische Musik!


ruhrclubbing

Bei Fragen, Anregungen und Wünschen, einfach melden :-) Groovige Grüße!



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5 Responses

  1. 6. November 2010

    […] This post was mentioned on Twitter by Renate Sythen, ruhrclubbing. ruhrclubbing said: Facettenreich Feiern im #Ruhrgebiet – Eine Metropole, viele #Clubkulturen! http://fb.me/yCIlB0SR […]

  2. 7. November 2010

    […] hier den Beitrag weiterlesen: Facettenreich Feiern im Ruhrgebiet – Eine Metropole, viele … […]

  3. 9. November 2010

    […] “Die elektronische Partyszene der Metropole Ruhr hat sich mit den Jahren stetig weiterentwickelt. Natürlich gibt es ferner technoide Partyhochburgen wie Berlin oder Frankfurt, doch die Ruhrgebietsstädte beweisen seit einigen Jahren im elektronisch-musikalischen Kräftemessen durchaus Stärke und Ausdauer.” (Quelle: ruhr-clubbing.com) […]

  4. 13. Mai 2011

    […] Jetzt hat Goethe kurzerhand einen Blicke auf die verschiedenen Metropolen Deutschlands gewagt und dabei festgestellt: Berlin ist längst nicht mehr der Nabelpunkt der elektronischen Musikkultur. Und siehe da, auch das Ruhrgebiet kann mithalten. Dass hierzulande dennoch Unterschiede zwischen den einzelnen Ruhrstädten vorherrschen, darüber berichteten wir bereits. […]

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